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Interview mit Asena
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Bastet Nr.
3 / 2007
Asena ist seit Jahren die bekannteste Tänzerin in der
Türkei. Ich kannte sie vor allem aus älteren Video-Aufnahmen
von TV-Sendungen und war schon damals beeindruckt von ihrem eleganten
Tanzstil, der so verschieden war von dem was man hierzulande
als türkischen Bauchtanz kennt.
Nachdem ich sie dann 2006 eher zufällig im Istanbuler
Restaurant "Kervansaray" live sehen konnte, war
meine Neugierde erst recht geweckt und als ich meine diesjährige
Istanbul-Reise plante, beschloss ich, Asena zu interviewen.
Dies stellte sich als überraschend unkompliziert heraus.
Wir buchten einen Tisch im "Kervansaray", und nach
unserer Ankunft dort fragte ich den Manager, ob es möglich
wäre, mit Asena zu sprechen. Eine Viertelstunde später
wurde ich bereits zu ihr gebracht.
Asena empfing mich in einem Büro, wo sie ihre Garderoben-Ecke
hat, noch ungeschminkt und in Jeans. Das Gespräch führten
wir in Deutsch, das sie recht fliessend spricht.
Die ersten 15 Jahre ihres Lebens wuchst Asena in Deutschland
auf, dann kehrte ihre Familie mit ihr in die Türkei zurück,
wo sie die Universität und eine Model-Schule abschloss.
Weder sie selbst noch ihre Familie ahnte etwas davon, dass
sie dereinst als Tänzerin berühmt werden sollte,
sie wollte als Model arbeiten.
Eine Freundin sagte zu ihr: "Du hast ein gutes Rhythmusgefühl, du solltest
Tänzerin werden!" Aber Asena ging nicht weiter darauf ein.
Sie erzählt: "Eines Tages klingelte es an meiner Tür und ein Paket
wurde abgegeben. Darin war ein Tanzkostüm, das mir eben jene Freundin geschickt
hatte!" |
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Kurze Zeit später war Asena an einer Hochzeitsfeier,
an der ein bekannte, aber nicht sehr gute Tänzerin auftrat,
die nach Asenas Meinung weder Rhythmusgefühl noch eine
Verbindung zur Musik hatte. So stand sie auf und begann einfach
in ihren normalen Kleidern zu tanzen - und alle schauten
nur noch ihr zu, anstatt zur "richtigen" Tänzerin.
Ein paar Monate darauf war sie im Büro eines Managers
und hörte mit, wie die Organisation einer grossen Show
besprochen wurde. Dort sollten berühmte Sänger
und Tänzerinnen engagiert werden. Sie stand auf und
sagte zum Organisator der Show: "Nehmt mich für
diese Show und lasst die andern Tänzerinnen weg. Ich
kann 2 Stunden tanzen und nehme kein Geld." Der Organisator
war zuerst etwas skeptisch, aber Asena war sehr überzeugend,
so bekam sie ihre grosse Chance.
Die Show war ein voller Erfolg: "Ich tanzte über
zwei Stunden - der Sänger, der nach mir an der Reihe
war, wurde schon ärgerlich, aber die Leute wollten mich
einfach nicht gehen lassen!"
Während der nächsten ca. anderthalb Jahre nahm Asena
weiterhin kein Geld an für ihre Engagements. Ihr Ziel
war es vorerst, beim Publikum bekannt und beliebt zu werden.
Wie kam sie dabei finanziell über die Runden? "Meine
Oma hat 30 Jahre lang in Deutschland gearbeitet und viel gespart,
sie hat mich finanziell unterstützt". |
Danach folgten viele gut bezahlte Auftritte - insgesamt
tritt sie bereits seit 12 Jahren auf. Unterricht in Orientalischem
Tanz hatte sie keinen: "Alles was Du siehst, kommt aus
mir heraus."
Sie wollte sich auch abheben von den teilweise vulgären
Bauchtanzerinnen, die sonst in der Türkei zu sehen sind
(wer schon Touristen-Shows in südtürkischen Ferienorten
gesehen hat, kann das sicher gut verstehen!).
"Ich bin nicht "Bellydancer" sondern einfach Danzös, Tänzerin."
Sie benutzt nicht die heutzutags vor allem übliche
arabische Musik. Es gibt zwei CDs mit speziell für sie
produzierter Musik, zu der sie auch heute noch tanzt.
Und sie entwarf ihre eigenen, sehr speziellen Kostüme:
Elegante Kleider mit tiefen Rückenausschnitten, teilweise
auch Hosenkleider.
Heutzutags trägt sie wieder Zweiteiler, weil sie darin
weniger schwitzt, diese sind jedoch auch eher schlicht gehalten,
mit Shorts und einem geraden, geschlitzten Rock darüber.
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Wie sieht ein normaler Tag aus für Asena?
"Ich stehe so um 9 oder 10 Uhr auf und mach erst mal ein wenig Büro-Arbeit.
Dann treibe ich gerne Sport, zum Beispiel Kickboxen oder Tennis. Ich singe auch
gut und gerne, das meiste ist aber nur für mich, ausser den zwei Liedern
auf der CD "Asena 2005". An allen Abenden unter der Woche trete ich
im "Kervansaray" auf." |
Der Reception ist in meinem Hotel war ziemlich erstaunt
als ich sagte, ich wolle einen Tisch im Kervansaray buchen,
um Asena zu sehen. "Sie ist doch viel zu berühmt
und zu teuer für so ein Restaurant!" Wie kommt
es also, dass sie dort arbeitet?
"Wenn mich Freunde aus Bayern besuchen kommen, bringe
ich sie immer hierher. Einmal waren der Service und die Organisation
besonders gut. Ich habe mich beim Manager dafür bedankt
und gesagt, wenn er mal Hilfe brauche, könne er mich
jederzeit fragen."
Schon einen Monat später bekam sie einen Anruf des
Managers, der sich kaum getraute zu fragen, ob sie wohl für
eine Woche aushelfen könne, weil eine Tänzerin
in den Ferien sei. Er könne ihr aber nur den normalen
Preis anbieten - und ob sie in 3 Salons pro Abend tanzen
könne? (Das Kervansaray hat 3 Restaurant-Räume,
in denen zeitverschoben jeden Abend das Programm abläuft).
Asena sagte zu. Aus der Woche wurde ein Jahr... und mittlerweile
tanzt sie bereits 3 Jahre dort. "Ich liebe die Arbeit
hier. Andere Engagements mache ich auch für's Geld, aber
hier bekomme ich soviel für's Herz von den Gästen.
Sie reisen viel herum und können guten Tanz schätzen."
Wenig später schon kann ich Asena auf der Bühne
bewundern. Sie hat eine ganz eigene, eine eher kühle Ausstrahlung
aber doch eine grosse Präsenz. Und das Publikum ist ganz
offensichtlich begeistert von ihr. |
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