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Haissam Salah-Eddine - ein Leben für die
orientalische Musik
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Bastet Nr.
3 / 2004
Die Orientalische Tanzszene besteht nicht nur allein aus TänzerInnen,
sondern auch aus vielen Leuten, die für und mit Tänzerinnen
arbeiten. Ein Musiker, der schon seit vielen Jahren Teil der schweizerischen
Tanzszene ist, ist Haissam Salah-Eddine, der seit 1986 in Zürich
lebt und musiziert.
Haissam Salah-Eddine wurde in Damaskus als Sohn einer
libanesischen Familie geboren. Schon als Kind war für
ihn Geige spielen alles, was er wollt, und so begann er 10jährig
mit dem Unterricht.
Mit 16 ging er gegen den Willen seiner Eltern nach Beirut,
wo er die Prüfung für das Konservatorium bestanden
hatte. Obwohl er dort Verwandte hatte, wohnte er alleine
und bestritt seinen Lebensunterhalt aus seinem Stipendium
und mit der Arbeit in Orchestern in Nachtclubs. In diesen
Clubs traten die besten arabischen Künstler der damaligen
Zeit auf. Während den 3 Jahren, die er dort arbeitete,
spielte er für Nagwa Fuad, Suheir Zaki, Sahar Hamdi,
Mona Said und andere Tänzerinnen und arbeitete teilweise
auch mit den hervorragenden Musikern zusammen, die diese
Tänzerinnen mitbrachten.
Natürlich war es nicht ganz einfach, Schule und die nächtliche
Arbeit unter einen Hut zu bringen und es passierte ab und zu,
dass er auf der Bühne einschlief, manchmal sogar während
er ein Stück quasi „im Schlaf“ spielte. |
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Nach 5 Jahren beendete er die Schule. Die Fächer neben der
Musik hatten ihn wenig interessiert und er wollte darin auch gar
nicht sonderlich gut sein, weil er sonst womöglich doch noch
etwas „Rechtes“ hätte studieren müssen...
Anfangs der 70er Jahre wurde er im Fernsehorchester von Dubai
angestellt, wo er 11 Jahre spielte und sich zum 1. Geiger hocharbeitete.
In dieser Zeit arbeitete er mit fast allen bekannten arabischen
Sängerinnen und Sängern und reiste mit diesen auch für
Konzerte in verschiedene arabische Länder und sogar nach Japan,
China und Indien. Ausserdem begleitete das Orchester ab und zu
das staatliche Folkloretanz-Ensemble.
Von 1982 bis 1986 lebte Haissam dann in Ägypten,
wo er sein eigenes Orchester mit über 30 Musikern hatte
und weiter mit verschiedenen Sängerinnen und Sängern
auftrat. Für Tänzerinnen spielte er dort jedoch
nicht.
Nach Ablauf seines Vertrages in Ägypten konnte Haissam
nicht in den Libanon zurück, da dort mittlerweile der
Bürgerkrieg ausgebrochen war. Eigentlich wollte er nach
Deutschland gehen, blieb dann aber in der Schweiz hängen.
Hier angekommen suchte er sofort Kontakt mit anderen Musikern,
um weiter arbeiten zu können.
Schon bald lernte er die Tänzerin Layali Viola Römer
kennen. Mit ihr eröffnete er das Centrum Sultan, eine
Tanzschule mit kleinem Tonstudio. Das Centrum zog später
in ein grösseres Lokal um, und schliesslich eröffnete
Haissam vor ein paar Jahren sein eigenes Geschäft "Haissam
Music", wo er arabische Instrumente und Tanzzubehör
anbietet und auch weiterhin sein Tonstudio betreibt. Er hat
bereits an die 100 CDs in Beirut und in Zürich produziert
und arbeitet mit der libanesischen „Perfect Production“ zusammen.
Heute ist Haissam verheiratet mit der ehemaligen Tänzerin
Liliana, mit der er eine kleine Tochter hat. |
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Der Geiger und die Tänzerinnen
Ab und zu komponiert Haissam auch spezielle Tanzmusik für
Tänzerinnen. Diese Stücke sind „massgeschneidert“,
und wie ein Schneider geht er auch vor: Er fragt die Tänzerin
nach ihren Vorlieben und Wünschen, damit sie ihre ganz persönliche,
passende Musik bekommt. Dazu will er auch die Persönlichkeit
hinter der Tänzerin selber verstehen. Wie bei einem Kostüm
schafft er dann eine Rohfassung des Stückes, das er dann zur „Anprobe“ mit
der Tänzerin zusammen bespricht, um Anpassungen zu machen.
Für Haissam gibt es verschiedene Arten von Tänzerinnen,
und nicht jede kann sich auf einer Bühne präsentieren.
Es gibt solche, die sehr gut für sich selbst tanzen, aber
keine Ausstrahlung haben, die es für das Tanzen vor Publikum
braucht. Andere haben diese Ausstrahlung und können einen
mit ihrem Tanz alles vergessen machen.
Leider haben Tänzerinnen hier in Europa kaum die Möglichkeit,
im echten Showbusiness, also mit Auftritten auf Bühnen mit
Orchester, Erfahrung zu sammeln. Restaurants sind nur eine Notlösung,
Wirte sind jedoch meist mehr am Umsatz interessiert als an der
Qualität der Tänzerin.
Aus eigener Erfahrung weiss Haissam auch, wenn man sich für
die Karriere als Künstler oder Künstlerin entscheidet,
muss man auf sich aufpassen – man steht dann in der Öffentlichkeit
und das Privatleben gehört einem nicht mehr selbst. Manchmal
muss man auch trennen, ob das Interesse anderer Leute dem Künstler
oder der Person selber gilt.
Haissam liebt den Orientalischen Tanz sehr und möchte ihn
als Kunst präsentieren mit Respekt für die Tänzerin.
Er hat jedoch festgestellt, dass viele Tänzerinnen Angst haben
vor der Arbeit mit Live-Musikern, vor allem wenn sie noch nicht
so viel Auftrittserfahung haben. Darum würde er sich wünschen,
dass an den Tanzschulen auch mehr über Musik unterrichtet
wird. Es werden zwar ab und zu Trommler eingeladen, aber der Rhythmus
ist nur ein Teil der Musik. Wichtig ist auch die Melodie – diese
zu verstehen hilft, das Gefühl der Musik zu verstehen.
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