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"Ya Mustapha" - Ein Lied geht
um die Welt
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Halima 2003
Eines der meist-gecoverten Stücke der letzten 50 Jahre stammt
nicht etwa von den Beatles sondern ist ein orientalisches Volkslied.
Wohl alle von uns haben schon einmal mindestens eine Version von "Mustapha" gehört.
Vielen orientalischen Tänzerinnen ist das Lied bekannt in
der Fassung von George Abdo (auf The Joy of Belly Dancing), eine
weitere gibt es von John Bilezikjian (auf Tapestry of the Dance).
Auf Ulaya Gadallas "Tänze aus 1001 Nacht" CD ist
eine englische Pop-Version enthalten und natürlich gibt es
das Stück auch auf Mezdeke 6, dort heisst es allerdings "Ruh
Rahleh".
Der Ursprung von "Mustapha" lässt sich
nicht genau festlegen, er liegt in Nordafrika, höchstwahrscheinlich
in Ägypten. Eine Quelle besagt, dass das Stück
in einem Film vorkommt. Sicher ist jedoch, dass das es im
arabischen und auch türkischen Raum zum Volksgut gehört.
Imr arabischen Text geht es um einen Mustafa, der schon
lange von zu Hause weg ist und bald zurückkommen oder
doch bitte wenigstens schreiben soll. In der Türkischen
Version sagt eine junge Frau zu ihrem Freund: "...komm
heiraten wir, machen wir endlich ein Ende, ich habe ein Kind
in meinem Bauch..."
In Europa wurde das Lied durch den Libanesen Bob Azzam berühmt,
der es 1960 in Frankreich veröffentlicht hatte mit einem
nicht sehr geistreichen Text, der aus mindestens 3 verschiedenen
Sprachen besteht: "Chérie je t'aime, chéri
je t'adore - como la salsa del pomodoro" (Schatz, ich
liebe Dich, Schatz ich bete Dich an - wie Tomatensausce). Das
Lied war ein grosser Hit und kam in den englischen Charts auf
Platz 23, in Belgien sogar auf Platz 1 und verkaufte sich auch
z.B. in Griechenland, Italien und Brasilien sehr gut. Auf Azzams
Konto gehen weitere Lieder wie: "Fais-moi du couscous
chéri" (Mach mir Couscous, Schätzchen).
Doch auch er hatte das Lied abgekupfert und zwar von Orlando
(Bruno Gigliotti), dem jüngeren Bruder der berühmten
Sängerin Dalida. Die beiden wuchsen in Kairo auf, wo der
Vater erster Violinist an der Oper war. Dalida wurde übrigens
1954 auch zur Miss Ägypten gewählt. Orlando wurde
ein bekannter Sänger und arbeitete in allen wichtigen
Nachtclubs in Kairo. In den frühen 60er Jahren kam er
nach Paris, um wie seine Schwester ein grosser Star zu werden.
Er erinnerte sich an eine kurze Passage des Liedes "Ya
Mustapha", das er dann aufnahm. Schon lange bevor in Nordafrika
der Raï aufkam, war er so der erste Sänger, der Französisch
und Arabisch vermischte. Zu seinen weiteren Liedern gehören "Fattouma"und "Ali
Baba" aber auch viele Stücke in Französisch
und Italienisch. Ab 1966 wurde er der künstlerische Leiter
und Produzent von Dalida. |
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Nach den ersten Verkaufserfolgen geriet "Ya Mustapha" keineswegs
in Vergessenheit, im Gegenteil. Mit seiner eingängigen Melodie
zum Mitsingen ging das Lied bald ins Allgemeingut ein und gehört
auch heute noch in das Repertoire sowohl jeder anständigen
französischen Karaoke-Liste als auch vieler Unterhaltungs-Kapellen
auf der ganzen Welt. In der Türkei war der bekannteste Interpret
davon Dario Moreno. Er spielte 1962 in einem Film mit dem Titel
"El Hob Keda", in dem er dieses Lied sang.
Ausserdem entstanden über die Jahre unzählige Versionen
in allen möglichen Sprachen: Maltesisch, Flämisch, Hindi,
Englisch... Die meisten der Covers sind Parodie- und Witznummern,
zum Teil auch mit anzüglichen Texten.
Es gibt auch einige Fassungen davon in Deutsch, z.B. von Leo Leandros
(dem Vater von Vicky) in den frühen 60er Jahren. In seiner
Fassung geht es um einen Bazar-Verkäufer, der sich in Suleika, "die
liebreizende Tochter des grossen Sultans" verliebt. 1967 veröffentlichte
der Musiker Clinton Ford unter dem Pseudonym "Ali ben Dhown" seine
Version auf einer Single, auf deren Rückseite sich ein ähnlich
geistreiches Lied mit dem Titel "Turkish Delight" findet. Da
das Lied z.T. nur nach Gehör übernommen wurde, von Leuten,
die des Französischen und/oder Arabischen nicht mächtig
waren, änderte sich der Text an gewissen Stellen. Auf einem
thailändischen (?) Internet-Diskussionsforum habe ich eine
Version gefunden, wo aus dem "Pomodoro" ein "dommo
do re" wurde und "Ana bahebak" (ich liebe Dich) "Anebahe
bak" geschrieben wird, was auch keinen Sinn mehr ergibt.
Das französische APC Label stellte 1994 eine CD mit dem
Titel "Think about Mustapha" zusammen, die 9 Versionen
und Interpretationen des alten Heulers, von Jazz
über 60er Jahre Surf-Sound und Rai bis zu Fusion mit indischer
Sitar.
Aber aufgepasst, der Name ist beliebt, und nicht überall,
wo Mustapha draufsteht, ist auch "der" Mustapha drin.
So haben Queen auf ihrem "Jazz" Album ein Stück
mit dem Titel "Mustapha" und von The Clash ist "Mustapha
Dance" (bekannt auch unter dem Refrain "Rock the Casbah").
Dies sind dann aber andere Melodien. Ausserdem gibt es ein "Ya
Mustapha" von den Sabri Brothers, die religiösen Qwwali-Musik
machen.
Mustapha hören und sehen:
Bob
Azzam
Dario
Moreno
Leo
Leandros
Clinton
Ford
Bollywood
Version - Film Aatish
Les
Allumettes
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