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Tribal Style - Bewegungen weiterentwickeln
Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Bastet Nr.
2 / 2004
Wer Tribal Style tanzen lernen will, ist meist vor allem auf Videos
angewiesen. Regelmässigen Unterricht gibt es in unseren Breitengraden
kaum, auch wenn in letzter Zeit vermehrt Workshops angeboten werden
(sogar mit Dozentinnen aus den USA).
So kommt es, dass die meisten Tribal Style-Tänzerinnen im
deutschen Sprachraum die gleiche Basis haben, die vor allem aus
den Lehrvideos von FatChanceBellyDance oder auch Gypsy Caravan
und Kajirah Joumanah besteht.
Letzthin sah ich auf verschiedenen Show-Videos zweimal die gleiche europäische
Tribal Style-Gruppe tanzen. An beiden Shows verwendeten sie ausschliesslich Bewegungen
der FCBD-Videos – nicht gerade aufregend, vor allem wenn man bedenkt, dass
auf den Videos ja auch nur ein Bruchteil des gesamten Bewegungsrepertoires von
FCBD enthalten ist...
Ich habe auch schon den Begriff "authentischer Tribal Style" gesehen.
Im Ursprungsland USA würde man über so eine Bezeichnung
nur den Kopf schütteln - denn als Mischform aus verschiedenen
Stilen ist Tribal Style ja gerade so wenig authentisch wie nur
möglich. Den Tribal-Style auf einige wenige Bewegungen zu
reduzieren, an denen eisern festgehalten wird, ist eigentlich gerade
entgegen dem Grundgedanken des Stils, nämlich der laufenden
Weiterentwicklung und Vermischung von verschiedenen Einflüssen.
Es gilt auch zu bedenken, dass es gerade in den USA neben den
bei uns bekannten Tanzgruppen noch unzählige weitere gibt, die halt keine Videos produzieren
und somit bei uns keinen Einfluss auf die Tribal-Szene haben. Ausserdem sind
gerade die FCBD-Videos zum Teil schon fast 10 Jahre alt und wir können sicher
sein, dass diese sehr aktive Gruppe sich mittlerweile stark weiterentwickelt
hat.
Glücklicherweise sind die Tanzstämme im deutschsprachigen
Raum, von denen ich schon einige an Tribal-Treffen gesehen habe,
offen für Neues und bringen auch ihre eigene Kreativität
in den Stil ein, sodass die Gruppen nicht nur ein schlechter Abklatsch
des amerikanischen Vorbilds sind sondern ein eigenes, individuelles
Tanzrepertoire kreieren.
Wichtig ist beim Entwickeln von neuen Bewegungen, dass diese innerhalb des Stils
passen. Dazu muss man natürlich erst einmal definieren, was denn Tribal
Style so ausmacht und wann die Entwicklung darüber hinausgeht. So hat zum
Beispiel Jill Parker, die einige Zeit Mitglied von FCBD war, mit ihrer Truppe
Ultra Gypsy die Fusion soweit getrieben, dass sie als Konsequenz den Begriff "Tribal" weitgehend
fallengelassen hat.
Stil-Definitionen
Typisch am Tribal Style ist eine aufrechte, stolze Haltung. Dazu
werden die Arme in offenen, weiten Posen oder Bewegungen geführt.
Hüftbewegungen sind eher gross und von weitem gut sichtbar.
Innerhalb dieses Schemas lassen sich neue Bewegungen integrieren.
Wichtig ist auch der Grundgedanke der Improvisation in der Gruppe – sicher
eines der auffallendsten Merkmale, das Tribal Style von „normalen“ orientalischen
Gruppentänzen unterscheidet.
Zu vermeiden ist alles Kokette, Verspielte, da dies nicht zum
Bild der erhabenen Stammesfrauen passt. Ausserdem zu schnelle oder
nicht genau definierte Bewegungswechsel und schlampige Armhaltungen.
Gruppentanz lebt dadurch, dass die Tanzenden sich synchron bewegen.
Dies verlangt nach einfachen, gut nachvollziehbaren Bewegunsmustern.
Da die Gruppe nur schon allein durch ihre Masse wirkt, ist es sowieso
nicht nötig,
allzu komplizierte Bewegungen zu tanzen – lieber simple, die dafür
auch von allen Gruppenmitgliedern leicht nachvollzogen werden können. Beim
Stamm Nesimah gilt zum Beispiel die Devise, dass sich alle nach dem schwächsten
Mitglied der Gruppe richten müssen.
Ideen und Tipps
Inspirationen für neue Bewegungen gibt es eigentlich überall – sei
es im klassisch Orientalischen Tanz, in der Folklore oder anderswo.
Einzelne Mitglieder unseres Stammes bringen Ideen aus verschiedenen
Bereichen ein. Ob im Flamenco-Unterricht, beim brasilianischen
Strassenfest oder auf einem libanesischen Tanzvideo – wir
halten unsere Augen offen und picken uns Bewegungen heraus, die
uns gefallen, um sie nachher in unseren Stil zu integrieren.
Manchmal bemerkt auch eine von uns, dass eine bestimmte Bewegungsgruppe
oder –richtung
noch nicht im Repertoire vertreten ist, dann überlegen wir uns gemeinsam,
wie wir diese einbringen könnten.
Um Bewegungen aus anderen Stilen anzupassen, tanzen wir sie erst
einmal zusammen und prüfen, wie sie aus Distanz betrachtet wirken. Dann überlegen wir
uns, mit welchem Kommando wir dazu in der Improvisation einleiten könnten.
Anschliessend halten wir ganz genau fest, wie Kopf, Arme und
Körper gehalten
werden, wie das Gewicht auf den Füssen verteilt ist, was die Hüften
machen usw. Wir haben alle unsere Bewegungen schriftlich festgehalten, damit
alle Stammestänzerinnen sich an die Definition halten können. Wir geben
auch all diesen Bewegungen Namen, damit sie schnell abrufbar sind. Da es in unserem
Stamm keine Chefin gibt, die allein bestimmt, ist die Entwicklung von neuen Bewegungen
immer mit viel Palaver verbunden. Das kann natürlich etwas länger dauern,
fördert aber den kreativen Prozess und gibt auch allen das Gefühl,
dass es wirklich „unsere“ Bewegungen sind, die wir
tanzen.
Neue Bewegungen sind auch ein gutes Mittel, Abwechslung
in den Tanz zu bringen, zum Beispiel Körperausrichtung in verschiedene Diagonalen, Armhaltungen
vor / neben / über dem Körper, Drehungen, Bewegung im Raum, verschiedene
Höhen-Ebenen usw. Nicht zu vergessen auch verschiedene Zimbel-Mustern!
Die Möglichkeiten sind fast grenzenlos und bieten jeder
Tanzgruppe eine Möglichkeit, ihren eigenen, speziellen Stil
innerhalb von Tribal Style zu schaffen.
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