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Dieser Artikel ist zuerst erschienen in Bastet Nr.
3 / 2003
Je länger je mehr tauchen überall im deutschen Sprachraum
neue Tribal Style Gruppen auf. Einige davon formieren sich aus
der Auftrittsgruppe einer Tanzschule, andere aus gleichgesinnten
Tänzerinnen. Einige bleiben bestehen, andere fallen schon
bald wieder auseinander. Dass ein Stamm (die deutsch Übersetzung
von Tribe) zum Erfolg wird, hängt natürlich in erster
Linie von den Tänzerinnen ab, die ihn bilden.
Für alle, die sich für diese Tanzrichtung interessieren,
möchten wir hier ein wenig näher darauf eingehen, welche
Eigenschaften eine erfolgreiche Stammestänzerin ausmachen.
Die erste Auswahl fällt schon bei der grundsätzlichen
Einstellung zu Orientalischen Tanzstilen. Wer strikte nur "Authentisches" tanzen
will, wird den Stilmix des Tribal Style wohl schon von vornherein
ablehnen. Solche TänzerInnen bleiben beim klassischen Raqs
Sharqi und orientalischer Folklore. Manche mögen sich auch
ganz einfach nicht von ihren Pailletten-Kostümen trennen und
schaudern beim Gedanken daran, ihre Haare unter einen Turban quetschen
zu müssen. Anderen wiederum ist der Aufwand, mit einer Gruppe
regelmässig üben zu müssen, zuviel. Es ist aber
durchaus schon vorgekommen, dass es in diesen Lagern zu "Bekehrungen" gekommen
ist, nachdem man sich einmal richtig mit Tribal Style auseinandergesetzt
hat...
Wer sich auf das Abenteuer Tribal Style einlassen will, muss sich
bewusst sein, dass dieser nicht wie eine Gruppenchoreografie mal
schnell an einem Workshop gelernt werden kann. Er ist weder "Bauchtanz
mit Turban drauf" noch eine Entschuldigung, eine Schülerinnengruppe
mit unsauberer Technik und eilig zusammengebastelten Kostümen
auf die Bühne zu schicken. Oriental Tribal Style ist ein eigener
Tanzstil für sich, der sich in Musikinterpretation, Bewegungsansatz,
Kostüm und Ausstrahlung von Raqs Sharqi unterscheidet.
Wie ein Stamm entsteht
Einige Stämme bilden sich aus Auftrittsgruppen unter der
Anleitung ihrer Lehrerin. Es ist jedoch wichtig, dass die Gruppe
bei Auftritten eine Einheit bildet, bei der kein "Star" erkennbar
ist, sondern alle Tänzerinnen gleichwertig wirken. Wer also
vor allem auftritt, um sich selbst zu profilieren, ist in einem
Stamm sicher am falschen Ort. Es ist jedoch durchaus möglich,
dass Tänzerinnen, die sonst gerne alleine auf der Bühne
stehen, sich in der Gruppe einordnen und wohlfühlen können
- sie geniessen das Zusammenspiel mit den anderen Tänzerinnen.
Denn andererseits ist der Stamm auch nicht geeignet für Tänzerinnen,
die sich am liebsten in der hintersten Reihe einer Tanzgruppe verkriechen.
Schliesslich wechseln im Tribal Style die Führungsrollen beim
Tanzen und jede Tänzerin ist irgendwann an der Reihe, die
Gruppe anzuführen.
Auch wenn Tribal Style mit einer grösseren Gruppe natürlich
mehr wirkt, sollte beim Zusammenstellen des Stammes sorgfältig
vorgegangen werden. Schliesslich müssen die Gruppenmitglieder
miteinander harmonieren, denn ein besonderer Reiz von Tribal Style
ist die Improvisation in der Gruppe. Dies bedingt es natürlich,
dass die Stammestänzerinnen gut aufeinander eingespielt sind.
Der Vorteil ist, dass man sich keine Choreografien merken muss
und die Auftritte frei gestalten kann. Das verlangt von den Tänzerinnen
eine grosse Aufmerksamkeit und Flexibilität. Besser ist also
eine kleine Gruppe mit guter Energie als ein grosser Haufen, bei
dem kein Zusammengehörigkeitsgefühl aufkommt. Ausserdem
ist es immer mühsam, wenn Tänzerinnen, die man mit viel
Engagement in den Stamm eingeführt hat, diesen nach kurzer
Zeit wieder verlassen.
Ein Stamm sollte vor der Aufnahme neuer Mitglieder den Interessentinnen
klar machen, worauf sie sich einlassen. Dazu gehören auch
auch Sachen wie regelmässige Teilnahme an den Proben, Anschaffung
eines Kostümes usw. (dies gilt übgrigens auch für
Tanzgruppen ganz allgemein).
Für meinen Stamm WeiberWirbel haben wir eine Liste mit Voraussetzungen
zusammengestellt, die eine Tänzerin mitbringen muss. Darunter
sind zum Beispiel:
- Bereitschaft, Zeit und Geld in ein langfristiges Projekt zu investieren
- Bereitschaft, konstruktive Kritik von anderen Stammesmitgliedern anzunehmen
und wohlüberlegte Anregungen abzugeben
- Bereitschaft, das eigene Ego dem Stammesziel unterzuordnen
- Bereitschaft, eigenes Wissen, Material und Können dem Stamm zur Verfügung
zu stellen
- Nach Möglichkeit Bühnenerfahrung, auf jedenfall aber Bereitschaft,
vor Publikum zu tanzen
Noch immer interessiert? Wunderbar. Dann geht es jetzt in die
Praxis. Am einfachsten ist es natürlich, wenn man sich einer
bestehenden Gruppe anschliessen kann. Man sieht auch ab und zu
Tänzerinnen, die solo auftreten. Da "Tribe" aber
das englische Wort für "Stamm" ist, ist das meiner
Meinung nach ein Widerspruch in sich.
Wer keine anderen Tänzerinnen kennt, die sich für Tribal
Style begeistern, kann trotzdem schon anfangen, sich in den Tanzstil
einzuarbeiten. Mittlerweile werden neben den Lehrvideos auch schon
einige Workshops angeboten. Dies ist einem Möglichkeit Gleichgesinnte
kennenzulernen. Ausserdem ist es gut, möglichst vielen im
Tanzumfeld das Interesse an Tribal Style mitzuteilen, ich selbst
bin auch so zu meinen Stammesschwestern gekommen.
Das Tanzen in einem Stamm ist eine spannende, bereichernde Erfahrung,
und ich wünsche allen Tribal Style-Neulingen viel Erfolg!
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