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Reisebericht Beirut
(Im Oktober 2010 werde ich wieder nach Beirut fahren
und danach diesen Artikel aktualisieren!)
Meine erste Reise in den Libanon fand 1992 statt.
Damals war das Land gerade dabei, sich vom langen Bürgerkrieg
(1975 – 1990) zu erholen – und alle erklärten
uns für verrückt, dass wir überhaupt da hin wollten.
Wir wohnten in einem Ort im Chouf-Gebirge und verbrachten nur einen
Nachmittag ein Beirut. Während die kleineren Orte in den Bergen
kaum mehr Spuren des Krieges zeigten, war Beirut ein deprimierender
Anblick: Das gesamte Hotelviertel und das alte Zentrum waren zerbombt
und die Häuser, die noch halb standen, von Einschusslöchern
durchsiebt.
| Schon seit Jahren war ich neugierig zu sehen, wie sich Beirut
seither verändert hatte, und im Mai 2004 reiste ich schliesslich
für eine Woche dort hin. Was für ein Unterschied
12 Jahre später! Zwar stehen noch immer einige Kriegsruinen,
aber vor allem das Zentrum der Stadt ist komplett renoviert
worden. Glücklicherweise hat man sich entschieden, nicht
einfach eine Reihe von modernen Betonklötzen hinzustellen,
sondern die Häuser im Souk-Viertel und um die Place de
l’Etoile im originalen Stil der 1920er Jahre mit dem
lokalen gelben Sandstein zu rekonstruieren. |
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| Momentan wirken die Häuser noch etwas steril, aber
in ein paar Jahren, wenn sie etwas Patina angesetzt haben,
wird sich der Charme ihres französisch/orientalischen
Stilgemisches voll entfalten. Es wird noch immer fleissig weitergebaut,
neben Wohn- und Geschäftshäusern wird auch an Kirchen
und Moscheen gearbeitet, die hier oft gleich nebeneinander
stehen. |
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Ausserhalb des Zentrums sind die Häuser und
Strassen auch nicht viel schöner als in anderen Städten
im Mittleren Osten – aber irgendwie sauberer.
Ein Unikum für Städte im Mittleren Orient
sind sicher die Fussgängerzonen um die Place de l’Etoile
im Zentrum. Man fühlt sich in ein südeuropäisches
Land versetzt, wenn man sieht, wie sich hier ein Strassencafé an
das andere reiht und abends die Leute durch die Strassen flanieren.
Wäre da nicht der Rauch der Shishas...
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Jedes Café hat – neben den gutaussehenden
Kellnern - extra Angestellte, die sich nur darum kümmern,
die Gäste mit Wasserpfeifen zu versorgen. Und wohlgemerkt,
hier wird nicht eine Shisha pro Tisch geraucht, sondern pro
Person. Und auch die Frauen paffen eifrig mit. An einem spätern
Abend am Wochenende, wenn die Sitze voll belegt sind, sieht
man vor lauter Rauch über den Tischen kaum noch etwas!
Allgemein sind die einheimischen (auch schicken) Restaurants günstiger als
die ausländischen Ketten wie z.B. Häagen Dasz. Unbedingt bestellen:
Frische Fruchtsäfte. |
Wenn man so wie ich allein reist,
kann man sich in den Cafés auch mal von einem der verschiedenen
wandernden Fotografen mit der Polaroid-Kamera ablichten lassen.
Das kostet £ 6000 pro Bild, es wird einem aber gerne auch
noch ein zweites angehängt, also auf nur eines bestehen!
Die Strassen hier verwandeln sich abends in einen
Laufsteg. Die Frauen kleiden sich hier gerne körperbetont
und tragen die Haare voluminös. Aber auch ein Kopftuch hält
sie nicht davon ab, modische Kleidung und wirklich hohe Absätze
zu tragen! Allgemeine Kleiderempfehlung: unbedingt schick für
den Abend. Overdressed gibt es in Beirut nicht – aber wer
in schlampiger Kleidung herumläuft, fällt garantiert
negativ auf.
Und wenn man sich im Zentrum nicht gerade dem Sehen
und Gesehen werden hingibt, geht man einkaufen. Jawohl, in dieser
Gegend öffnen viele Boutiquen erst um 20:00 Uhr und bleiben
bis nach Mitternacht offen! Wer extravagante Kleider und Accessoires
liebt, ist in den Boutiquen um die Place de l’Etoile bestens
bedient. Momentan beliebt sind gefälschte (aber doch nicht
ganz billige) Dior Schuhe + Taschen. Ich habe mir etwa 5 Paar Schuhe
gekauft, was sogar für meine Verhältnisse eine gute Leistung
ist!
Tagsüber kann man natürlich auch weiter
einkaufen, z.B. in den Läden entlang der Hamra Strasse. Diese
ist nicht ganz so glamurös, dafür reiht sich wirklich
ein Laden an den anderen. Die Preise sind auf europäischem
Niveau.
Noch mehr Shopping: Im Gebiet der Souks. Das ist
kein gedeckter Basar sondern ein Quartier mit renovierten Häusern.
Bei Aïshti gibt es alle Nobelmarken zu entsprechenden Preisen
zu kaufen.
Die meisten Cafés hier in der Gegend servieren
erst ab 12:00 Uhr, auch die Dachterrasse des Virgin Megastore,
die unbedingt einen Besuch wert ist – aber nicht billig.
Die Toiletten in den Restaurants sind of recht aufwändig gestylt
und sauber.
| Wer vom ganzen Konsum genug hat, kann zum Beispiel
auf der Corniche spazieren gehen. Das ist die lange Strasse,
die sich der Küste entlang zieht. Dort finden sich die
meisten Hotels und ein paar „Beach Clubs“, die
zwar am Meer sind, aber keinen Strand sondern Pools haben.
Dafür kosten sie etwas mehr... Der öffentliche Strand
ist nicht besonders sauber. Dort und auf den Felsen näher
dem Stadtzentrum sieht man nur Männer schwimmen und sonnenbaden. |
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Aber auf der Corniche selbst flanieren, joggen und radeln alle Altersgruppen
und Geschlechter, vor allem am Sonntag. Ich habe mir zweimal ein Rad gemietet,
um gemütlich auf der breiten Promenade rauf und runter zu fahren. Vor
allem sonntags herrscht beim Fahrradverleih Hochbetrieb – wobei viele
Libanesen noch nicht so sicher sind auf zwei Rädern und deshalb lieber
erst mal eine Weile lang ihre Runden auf dem grossen Asphaltplatz neben dem
Verleih drehen.
Beirut by Night
Es gibt im Zentrum und an der Monot Strasse verschiedene
schicke Restaurants, wo man für gar nicht so viel Geld gutes
Libanesisches Essen geniessen kann – allerdings isst man
hier abends meist nicht vor 21:00 Uhr. Einige Restaurants bieten
auch ein Programm mit Musik und Tanz an. Leider ist ihre Zahl wegen
der schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes in letzter Zeit
gesunken. Ein paar der Lokale, die mir empfohlen worden waren,
haben vor kurzem die Abendunterhaltung eingeschränkt oder
ganz eingestellt.
Einer der zentral gelegenen Nachtclubs, wo man zum
Essen Live-Musik und eine Tänzerin geboten bekommt, ist das
Awtar. Wie im Orient üblich, werden die Kinder hier auch um
23:00 noch mitgenommen. Am besten kommt man aber gegen Mitternacht,
wenn sich eine Band mit Sänger einrichtet.
Unter dem späten Publikum waren bei meinem Besuch
auch einige (natürlich sehr schicke) Frauengruppen. Ausgerechnet
ICH war die einize Frau in flachen Schuhen, wo alle anderen doch
gefährlich hohe Stilettos trugen!
Zwischendurch standen immer wieder Leute auf und tanzten zur Live-Musik. Da konnte
ich natürlich nicht sitzen bleiben. Also tanzte ich bei einem Lied ein wenig
mit. Das gefiel 2 älteren Herren offensichtlich so gut, dass einer von ihnen
mir danach eine Artischocke an den Tisch brachte – er hätte eigentlich
nach einer Blume verlangt, aber keine bekommen und das einzige Blumenähnliche,
das zu haben war, war eben diese Artischocke.
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Um 1:30 kam dann die Tänzerin Bassema,
deren Show eine halbe Stunde dauerte. Wie bei Libanesinnen üblich,
tanzte sie auf hohen Absätzen, in schnellem Tempo und
mit viel Haarewerfen. Zwischendurch tanzte sie auch mit einem
Stock, wobei sie diesen Teil vor allem dazu benutzte, durch
die Tische zu gehen und einige der Gäste kurz zum tanzen
aufzufordern. |
Mein zweiter nächtlicher
Ausflug brachte mich in einem kleinen Tal nördlich von Beirut
in eines der bekanntesten Restaurants, das Nahr El Founoun. Sein
Foyer ist etwas kitschig einem Dorfplatz nachempfunden mit div.
Andenkenläden. Gleich beim Eingang werden in einer Boutique
die gebrauchten Kostüme der Tänzerinnen für 100
bis 250 $ verkauft, z.T. mit ziemlichen Gebrauchsspuren (übrigens
das einzige Mal, dass ich in einem Laden Tanzkostümen gesehen
habe).
Das Restaurant hat quasi als Hintergrund eine grosse
Glaswand, die im Sommer wohl geöffnet wird, genauso wie das
Dach. Dahinter wird als Kulisse die Talwand mit mehreren steinernen
Bogen angeleuchtet.
Standard in den Restaurants ist offensichtlich, erst einen Oud-Spieler und Perkussionisten
zu haben, bevor das grosse Programm losgeht.
Obwohl ich alleine da war, bekam ich 12 Teller und
Schüsselchen mit Mezze serviert. Der Tisch war damit gefüllt
und ich wüsste nicht, wie man hier noch mehr Personen an einen
Tisch hätte bringen sollen! Alles aufzuessen war unmöglich – zumal
später noch ein Teller mit 3 verschiedenen Sorten Fleisch
und Beilagen serviert wurde.
Die meisten anderen Gäste waren grössere Gruppen von Männern oder
Familien.
Das Unterhaltungsprogramm konnte sich sehen lassen.
Erst spielte die Band allein, dann mit einer Sängerin.
Nach Mitternacht trat die Tänzerin
Baheia auf, jung und hübsch, aber zu Beginn noch etwas
ausdruckslos.
Es folgte ein Sänger, der vor allem Dabke-Lieder bot,
zu denen die Gäste natürlich gerne mittanzten. |
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Ein Höhepunkt war dann die Tänzerin Suha Al Malak.
Nicht mehr ganz so jung, aber attraktiv und mit ausladender
Oberweite gesegnet. Sie bot eine lange, mitreissende Tanzshow, in der sie nicht
nur Schleier und Stock benutzte, sondern zwischendurch auch mal auf eine Darabukka
stieg und ausdauernde Shimmies tanzte. |
Der Abend in diesem Restaurant kostet 58'000 $, das Taxi hin und zurück
30 $ (dort gibt es keine Taxis, vorher eins für beide Wege bestellen, z.B.
bei "Savoy Taxi" Tel. 03 952 787).
Eine weitere Möglichkeit, sich in Beirut die
Nächte um die Ohren zu schlagen, sind die diversen Discos,
vor allem an der Monot Strasse. Da ich aber tagsüber viel
mit Tanzunterricht beschäftigt war, konnte ich mich nicht
dazu aufraffen, eine zu besuchen. Das ist definitiv auf meiner
Liste für die nächste Beirut-Reise!
Tanzunterricht
Wobei wir beim Thema wären... Ich hatte in
dieser Woche zeitweise einen Terminkalender wie ein Manager. Erholung?
Aber nicht in Beirut! Eines meiner wichtigsten Ziele war es, möglichst
viel Tanzunterricht zu nehmen.
Meist waren das 2 bis 3 Stunden am Tag.
Eine der Lehrerinnen hatte ich gleich für 5 Tage à 2 Stunden gebucht
und wirklich viel davon profitiert. Ich habe wohl noch nie so viel Choreografie
in so kurzer Zeit gelernt und musse jeweils am Morgen noch im Hotel ein wenig üben,
um dann wieder mithalten zu können.
Neben den Privatstunden machte ich ab und zu auch mit bei Klassen in einer Tanzschule.
Wer mehr wissen will, wendet sich an meine detaillierte Adressliste.
Weitere Informationen
Im Gebrauch sind Libanesische Pfund und US Dollars.
Der Kurs ist ungefähr: 1500 £ = 1 $.
Ein Internet-Café gibt es im Virgin Megastore
für 2 $ die Stunde. Es gibt auch kleinere, günstigere
Internet-Anbieter, leider lässt da oft die Ladezeit zu wünschen übrig.
Für elektronische Geräte mit europäischem
Stecker ist kein Adapter notwendig.
Die Taxipreise variieren stark. Auf Stadtgebiet
nicht mehr als 5000 £ zahlen. Der „Service“ genannte
Minibus ist billiger, es kommt halt nicht immer einer, wenn man
ihn braucht. Pro längere Fahrt 500 – 1000 £.
Hotels sind nicht gerade billig. Ein günstiges,
gut gelegenes Hotel, in dem ich schon mehrmals war ist das Portview
Hotel in Gemmayzeh, dem Ausgehviertel.
Einen richtigen Strand gibt es nicht in Beirut -
wer Baden gehen will, geht in einen Beachclub. Diverse Hotels und
Beach Clubs am Meer bieten Tageseintritte für Gäste an.
Die beste Reisezeit ist Frühling oder Herbst.
Im Sommer wird es sehr heiss.
Verständigung geht bestens mit Englisch und
Französisch. Die Leute der gebildeteren Schicht spicken ihre
Unterhaltung gerne mit Brocken dieser Sprachen. Manche der jüngeren
Generation sind während des Krieges im Ausland geboren und
erst später in den Libanon gekommen. Aber es gibt auch solche,
die hier eine englische oder vor allem auch Französische Ausbildung
bekommen. In den Läden ist meist Französisch die bevorzugte
Sprache (nach Arabisch natürlich).
Der beste Flug nach Beirut ist von Zürich aus über
Istanbul. Wer näher bei Genf wohnt, kann von dort aus einen
Direktflug mit Midde East Airways buchen.
Links
www.travel-to-lebanon.com
www.beirutnightlife.com
wikitravel.org/en/Beirut
www.bebeirut.org |