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(Aktualisiert
am 21. 5. 2003) - Eine ausführlichere, etwas "wissenschaftlichere"
Version dieses Textes findet Ihr hier.
Ja,
ich gestehe, ich schwärme für eine Art der Unterhaltung,
die bisweilen als eine der seichtesten auf Erden verschrien ist:
indische Filme! Und zwar nicht die wenigen künstlerischen Ausnahmen,
die bei uns im Kino laufen und mitunter sogar mit einem Preis ausgezeichnet
werden (auch wenn an diese Filme ansonsten nichts auszusetzen ist).
Nein, was mich vor Vergnügen kreischen lässt, sind die
"populären" Filme. Jene Ausgeburten dieser grössten
Filmindustrie der Welt, wo 3 Stunden lang geliebt, gelitten, gelacht,
geprügelt, gestorben und GETANZT wird. Jawoll, denn was ein
richtiger Schinken aus Bollywood (=Bombay + Hollywood) ist, in dem
ist das ganze, pralle Leben enthalten. Keine Hindi-Kenntnisse? Wer
hat die schon? Naja, immerhin knapp die Hälfte der Menschheit
(steht in meinem Hindi-Lehrbuch!). Ist aber nicht unbedingt nötig,
denn die Stories folgen meistens dem Gut/Böse- und Kriegen-sie-sich?-Muster,
die Schauspieler halten sich mit ihrem Ausdruck nicht zurück
und meist herrscht eine hektische Betriebsamkeit, was es jedem Laien
mit etwas Fantasie erlaubt, der Handlung einigermassen zu folgen.
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Tanz
als fester Bestandteil beim Erzählen einer Geschichte
hat in Indien eine lange Tradition, schon im Sanskrit-Theater
gehörten Musik und Tanz dazu. Auch im indischen Kino
wird an dieser Tradition festgehalten. In älteren Filmen
wurden durchaus auch klassische Tanzstile gezeigt, und manchmal
sogar Orientalische Tänzerinnen eingesetzt. In den modernen
Produktionen herrscht aber ein ganz besonderer Stil vor, der
einen grossen Teil des Unterhaltungwertes eines Films ausmacht.
Grob
gesagt würde ich das Ganze als Mischung aus Baladi, Skigymnastik,
Michael Jackson und Folklore beschreiben. Da die Zensur es
verbietet, dass sich die Schauspieler küssen oder noch
Unanständigeres machen, wird dann halt im Tanz zum Ausdruck
gebracht, worum es geht. |
Da
sind eindeutige Begattungs-Bewegungen mit dem Becken an der Tagesaordnung.
Auch sonst geht's nicht eben elegant zu und her. Dafür aber
in einem Affenzahn. Kein Wunder: nach 2 bis 3 Tanzschritten wird
die Szene geschnitten, da lässt es sich gut hüpfen. Pro
Tanz werden auch gerne 2 bis 4 verschiedene Kostüme getragen.
| Im
Gegensatz zu westlichen Film-Musicals, wo die Tanz- und Gesangsnummern
noch einigermassen in die Handlung eingebunden werden, gibt
man sich in den indischen Filmen diese Mühe kaum. Eben
noch standen die Verliebten allein auf einer Tempeltreppe
- schon finden sie sich im Park eines Palastes wieder, mit
ca. 30 Statisten, die sie beim Singen und Tanzen kräftig
unterstützen. Meist wird in diesen Liedern die Handlung
des Films kommentiert, oder Held und Heldin gestehen sich
ihre Liebe.
Und
wenn dann die schöne junge Frau noch plötzlich in
einen Regenguss kommt und der klitschnasse Sari an ihrem Körper
klebt, bleibt wohl kein Wunsch mehr offen... |
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Wobei
die Tanzerei durchaus keine reine Frauensache ist. Haben
wir hier je Männer gesehen, die so machomässig-locker
mit den Hüften wackeln konnten?
Alle
möglichen Figuren in einem Film können eine
Sing- und/oder Tanzszene bekommen, vom kleinen Mädchen
bis zum Soldaten, von der zickigen Tante bis zum schelmischen
Bruder. |
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Das
Allerhöchste sind aber für mich die Tanzszenen, die in
den Schweizer Bergen gedreht werden (Kashmir fällt wegen der
gespannten politischen Lage aus). Da trällert die Heldin neben
dem Chalet, dort tänzelt das Pärchen durch die Strassen,
während hinten ein gelbes Postauso vorbeifährt...
Und
dann kommt der fatale Moment, wo ich die hirnrissige Idee hab, das
selbst zu probieren... Dabei gibt's doch die Kleber "Don't
try this at home"! Sind leider nicht auf den Videos drauf.
Darum wandere ich frischfröhlich mit den Musikkassetten, die
mir auf meiner letzten Indienreise
gekauft hab, in die Videothek meines Vetrauens und lass mir einen
dazu passenden Film (in diesem Fall "Bandhan") geben.
Nachdem ich mir diesen erst mal mit Genuss reingezogen hab und mich
um ein Haar in Salman Khan verknallt hätte (das ist der Mann
auf dem mittleren Foto mit dem modisch herausgeforderten Jacket),
setz ich mich mit dem Block hin und versuche, eine Choreografie
festzuhalten... selten hab ich in 3 Stunden (für 5 Minuten
Tanz!) so geflucht! Dass diese Inder aber auch nichts langsam machen
können (wer mit irgendeiner Art von indischer Musik oder Tanz
zu tun hat, weiss, was ich meine...).
Aber
mittlerweile hab ich das ganze auf eine Reihe gebracht und leicht
nachbearbeitet. Schliesslich habe ich mir auch eine Gruppe, die
Masala Girls, zusammengestellt, um das Ganze zur Aufführung
zu bringen. Es ist zwar ziemlich anstrengen, aber es macht auch
jede Menge Spass! Gezeigt haben wir unseren Tanz dann im Oktober/November
1999 an einer orientalischen Tanzshow und am Rythm + Dance Festival.
Er war ein grosser Erfolg! Und darum haben wir es uns auch nicht
nehmen lassen, an der Show im November 2001 eine weitere Filmtanz-Nummer
(Saajanji Ghar Aaye) aufs Parkett zu legen!
Nun
habt Ihr viel gelesen und möchtet natürlich auch so
einen Film sehen! Was tun? Entweder freundet Ihr Euch mit Mitmenschen
aus Indien/Sri Lanka/Pakistan... an. Die halten nämlich nicht
nur unsere Gastronomie am Laufen, sie sind auch sonst nette Menschen
und leihen Euch vielleicht ein Video aus. Oder Ihr hört Euch
um, ob es in Eurer Gegend eine Videothek (ev. auch indischen Take-Away)
gibt, wo indische Videos verliehen werden. Adressen
in Zürich
Ausserdem gibt es in
verschiedenen Schweizer Städten immer wieder spezielle Vorführungen
von aktuellen indischen Filmen.
Viel
Spass!

Die
Masala Girls
Weitere
Fotos von Filmtanz-Kostümen
Unterricht für
Indischen Filmtanz bei MEISSOUN
Vorführungen von
Indischen Filmen in der Schweiz: www.cinedrome.ch
Nützliche Infos zu
Hindi-Filmen für Nicht-Inder: www.bollywhat.com
Film- und Musikkritiken: www.planetbollywood.com
Film-Infos
in Deutsch: http://www.molodezhnaja.ch/india_a.htm
Buch:
Bollywood - Popular Indian Cinema: www.dakinibooks.com
Infos
zum Kauf von Filmen in den Marktnotizen
Schweizer
Forum für Bhangra, Desi und Bollywood-Musik www.bhangra.ch
Quellen/weitere
Informationen:
- Indian
Popular Cinema - K. M. Gokulsing + W. Dissanayake
- Indischer
Dreh (Happy End in Gstaad) - Das Magazin Nr. 38/95
- The
Dream Merchants of Bollywood - N. Kazmi
- Das
Indische Mainstream-Kino Bollywood - Uni
Zürich
- "Bollywood
im Alpenrausch" - Dokumentarfilm von SF
DRS
- Heisse
Liebe auf Kalten Gletschern - Bericht im
Spiegel
- The
making of "Love Marriage" -
Fotoserie
- Grüezi
Bombay -
Reportage
Fotos:
Die
Szenenbilder aus Hum Aapke Hain Koun...! und Hum Saath-Saath
Hain wurden mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt
von Rajshri Productions
Foto
der Tanzshow "Wo liegt der Orient?" von Ambros Marzetta |