Dieser
Artikel wurde ca. 1997 geschrieben. Leider
ist Nelly Mazloum am 21. Februar 2003 verstorben.
Zu
den beeindruckendsten Menschen, die ich im Laufe meiner Ausbildung
zum Orientalischen Tanz kennengelernt habe, gehört zweifellos
Nelly Mazloum, auch "die Legende" betitelt. Angesichts
der Tatsache, dass sie weiterhin noch sehr lebendig ist, ist
dieser Zusatz zwar nicht ganz korrekt. Wer schon an einem
ihrer Workshops teilgenommen hat, ist bestimmt beeindruckt
gewesen davon, welche Energie diese Frau, die immerhin schon
Mitte 70 ist (so genau weiss man das nicht), ausstrahlt.
Nachdem
sie als Kind in Ägypten zuerst westliches Ballett
gelernt hatte, begann sie, sich für die ägyptischen
Tanzformen zu interessieren. Jahrelang reiste sie durch
das ganze Land, die Wüste, Dörfer, Souks und
Städte, immer
auf der Suche nach neuen Tanzelementen. Schliesslich beschloss
sie, eine Tanzgruppe zu gründen, die nach 2 Jahren
harter Arbeit eine Show mit ägyptischer Folklore
zeigte, die erste in ihrer Art.
Neben
ihrer Arbeit mit dem Ensemble trat sie auch in verschiedenen Filmen
auf. Als sich das politische Klima in Ägypten veränderte
und die Kultur nicht mehr unterstützt wurde, wanderte Nelly
nach Griechenland aus, wo sie auch heute noch lebt und unterrichtet.
Nelly
hat in all den Jahren ihre eigene systematische Unterrichtstechnik
entwickelt. Sie besteht sehr auf einer sauberen Technik, die sie
mit verschiedenen Richtungsdiagrammen unterstützt. Ausserdem
hat sie die "Vivicorporeal"-Methode erarbeitet, quasi
eine Art Gymnastik, die den Orientalischen Tanz unterstützt.
Die
Kurse von Nelly Mazloum sind ein besonderes Erlebnis. Sie unterrichtet
nicht einfach nur Schritte und Bewegungen, sondern erzählt
immer wieder über die Bedeutung der Gesten, des Musikstückes
und der allgemeinen Hintergründe. Und sie scheut auch nicht,
falls nötig Beispiele aus der Gegend unter der Gürtellinie
zu bringen. Schliesslich, so findet sie, ist sie alt genug, uns
alles zu erzählen , was wir wissen müssen. Zentral ist
dabei auch die Haltung der Frau in der islamischen Welt, die nicht
einfach nur ein Opfer ist, sondern sie hat ihren eigenen Weg, zum
Ziel zu kommen. Dabei vertritt Nelly die Meinung, dass weich nicht
gleich schwach ist.
Nelly
ist eine sehr starke Persönlichkeit, die sowohl den Genüssen
der Welt nicht abgewandt ist (sie hatte mehrere Ehemänner)
als auch eine mysthische Ader hat. Sie hat sich lange mit der Sufi-Lehre
und mit Meditation befasst.
Ebenfalls
zu erwähnen ist Nellys Tochter Marhaba, die sie jeweils
auf ihren Unterrichts-Tourneen begleitet und unterstützt. Während
sie sich früher eher ruhig im Hintergrund gehalten hat, überträgt
ihr Nelly mehr und mehr die Aufgabe des "Drills". Das
heisst, nachdem die Bewegungen einstudiert worden sind, wird die
Tanzsequenz mit Marhaba x-mal wiederholt. Dabei korriegiert sie
und spornt an. Und plötzlich dreht sie, die sonst kaum zu hören
ist, gewaltig auf und zeigt, dass sie eindeutig vom Temperament
ihrer Mutter mitbekommen hat.