(Aktualisiert am 9. 9. 2004)

Wie sieht's eigentlich so aus mit der Orientalischen Tanzszene in der Schweiz? Bei diesen Recherchen hab ich mich so richtig für Euch ins Zeug gelegt! Habe diverse Tänzerinnen angefragt, Verzeichnisse durchforstet, rumtelefoniert - und es hat echt Spass gemacht.

Ich bin auf viele interessante Infos und nette Leute gestossen. Und ich hab auch immer wieder gestaunt, was es doch im hintersten Winkel der Schweiz noch so alles gibt. Meine Erkenntnisse habe ich nach Regionen geordnet und wo immer möglich nach den Kriterien: Entwicklung der Szene - Unterrichtsmöglichkeiten - Zusatzangebote wie Shows, Einkaufsmöglichkeiten usw. - Restaurants mit Tanz. Für all jene meiner sehr verehrten BesucherInnen, die der Schweizer Geografie nicht mächtig sind, hier mal eine kleine Übersichtskarte:

Für Links und Adressen wendet Ihr Euch bitte an meine Rubrik Ausserdem...

Und los geht's!

Zürich
Da ich selber hier in Zürich sitze, fang ich der Einfachheit halber damit an. In Zürich und Umgebung finden sich mindestens 30 TanzlehrerInnen. Das Spektrum geht vom einzelnen Kurs bis zu grossen Studios mit mehreren Lehrerinnen. Dank einigen aktiven Organisatorinnen wird auch immer genug Unterhaltung geboten. Ob Tanzshows, Workshops, Basare oder Vorträge, hier ist wirklich laufend etwas los.

Sich mit Tanz-Zubehör einzudecken ist kein Problem. Neben diversen Läden laden einige Studios ab und zu Wander-Basare ein.
Es gibt auch verschiedene Restaurants, die regelmässig Tänzerinnen engagieren. Allen voran der türkische Klassiker, die Taverne Marmara, wo am Freitag und Samstag jeweils 2 Tänzerinnen zu sehen sind. Ausserdem das libanesische "Le Cèdre", das Valtentin's und andere.

Basel
Auch hier hat der Orientalische Tanz schon gut Fuss gefasst. In der Region Basel finden sich einige der ersten Pionierinnen des orientalischen Tanzs in der Schweiz wie z. B. Aischa. Sie bietet immer wieder Workshops mit prominenten LehrerInnen an. Oder dann ist da Beatrice Holm, die schon seit über 20 Jahren tanzt und auch einen Verein zur Förderung des Orientalischen Tanzes gegründet hat, der schon über recht viele Mitglieder zählt.

Rasend viel ist sonst nicht los, aber es gibt ab und zu mal orientalische Veranstaltungen und auch einen ägyptischen Laden für Tanzzubehör.
Leider gibt es momentan kein Restaurant, wo regelmässig Tänzerinnen auftreten - einige Versuche mussten mangels Interesse abgebrochen werden!
(Dank für die Infos an Sultana, Béatrice Ritter, Beatrice Holm)

Bern
In Bern wurde die Orientalische Tanzwelle anfangs der 80er Jahre von Maha Weber, einer Libanesin, ins Rollen gebracht (sie unterrichtet auch heute noch). Mittlerweile kann sich das Angebot an Kursen, Workshops und Intensivwochen sehen lassen. Die Lehrerinnen konzentrieren sich nicht nur auf die Stadt sondern finden sich auch in der Region. Das "Herz" der Berner Szene ist das Tanzstudio ISIS, wo mehrere Lehrerinnen unterrichten. Allgemein ist die Stimmung in dieser Gegend sehr kooperativ und das Interesse am Orientalischen Tanz ist gross.

Zwei Boutiquen führen Tanzzubehör, wenngleich sie sich nicht speziall auf dieses Sortiment konzentrieren.
Restaurants mit Tanz sind dünn gesät, aber es gibt eine monatliche Disco Orientale mit Tanzshow, die von einem gut durchmitschten Publikum gerne besucht wird.
(Dank für die Infos an Mara Bäschlin, Mira von Wattenwyl, Sabine Dombrowsky, Maha Weber)

Innerschweiz
Die Gegend um Luzern ist kräftig im Aufbau begriffen. Anfänglich waren es vor allem Lehrerinnen aus der Region Zürich, die hier noch zusätzlich ein paar Kurse unterhielten. Mittlerweile hat sich der Tanz etabliert und es gibt einige regionale Schulen. Wer aber ein gewisses Niveau erreicht hat, stösst irgendwann an - und findet sich unter Umständen zu Weiterbildungszwecken in Zürich wieder. So schliesst sich dann der (Hüft-) Kreis...

Es werden auch immer wieder Workshops und Kultur-Anlässe organisiert. Allerdings lässt die Kooperation zwischen einigen Lehrerinnen etwas zu wünschen übrig. Oft müssen Workshops abgesagt werden - nicht weil kein Interesse besteht, sondern weil die Infomationen nicht weitergegeben werden.
Immerhin gab es in Zug aber einige Jahre einen Bauchtanzverein, dessen Mitglieder teilweise schon sehr lange tanzten.

Wer sich mit Musik und Tanz unterhalten lassen will, wendet sich nach Hergiswil, wo im Restaurant Casablanca wo öfters aus Marokko eingeflogene Tänzerinnen auftreten - die allerdings auch im Service mitarbeiten. Daneben gibt es auch jeweils mittwochs eine Tanzshow im Château Grütsch in Luzern.
(Dank für die Infos an Heidi Berger, Claudine Leyer, Gianna Koka, Regula Weber)

Ostschweiz
Etwas verstreut, aber durchaus vorhanden ist hier die Szene. In den Kantonen St. Gallen und Thurgau gibt es an verschiedenen Orten Kurse. Workshops sind auch langsam am kommen, vor allem im Regionalzentrum St. Gallen. Hier findet sich auch ein Laden mit sämtlichem Zubehör.

Nur sporadisch werden in Restaurants auch Tänzerinnen engagiert. Ab und zu gibt es mal eine Schülerinnen-Aufführung im grösseren Stil.
Im Bergkanton Graubünden findet sich gerade mal eine Lehrerin, Gerda Scheu. Die ist aber umso fleissiger, sie unterrichtet in Vals, Chur und Ilanz. Die Nachfrage ist also vorhanden...
(Dank für die Infos an Nicole Jindra, Irene Akkus, Khadishe, Gerda Scheu)

Aargau/Solothurn
Diese Gegend ist mit orientalischem Tanz nicht gerade reich gesegnet, aber es gibt doch hier und da Lehrerinnen und auch das TanzForum in Aarau. Man kennt sich untereinander, es besteht jedoch kaum Zusammenarbeit.

Einige wenige Leute veranstalten auch ab und zu einen Workshop, Basar oder Tanzanlass. Etwa alle 6 Wochen findet im Alten Spital, Solothurn eine sehr beliebte orientalische Disco statt. Ansonsten wenden sich die Tänzerinnen für ein Zusatzangebot wohl mehr an die grösseren Städte wie Zürich oder Basel.
(Dank für die Infos an Rebecca Wildi)

Westschweiz
Gerade dicht gestreut sind die Tanzkurse ja nicht, aber es gibt sie durchaus, z. B. in den verschiedenen Migros Klubschulen, mehr und mehr auch in den grösseren Städten. Ab und zu verirrt sich auch Leila Haddad von Paris aus mal für einen Workshop oder eine Show nach Genf oder Lausanne.

Genf ist innerhalb der Schweiz ein Spezialfall. Es hat einen grossen Anteil an arabischen Einwohnern, entsprechend soll auch der Orientalische Tanz schon sehr früh Fuss gefasst haben, vor allem eben auch mit arabischen Lehrerinnen. Die Szene ist jedoch sehr verschlossen und es herrscht ein starkes Konkurrenzverhältnis. Da werden keine Infos rumgereicht. Immerhin gibt es immer mehr Kurse und in der Nähe von Genf auch einen Bazar für Tanzzubehör.

Besonders erwähnen möchte ich die Ateliers d'éthnomusicologie in Genf. Diese bieten sehr interessante Kurse für alle möglichen Tanz- und Musikarten aus aller Welt an.
In Genf gibt es auch verschiedene Restaurants, wo Tänzerinnen auftreten.
(Dank für die Infos an Cathérine Sidler, Sabine Rafika Moussa, Heidi Müller, Firpouz Houchi-Pillet)

Wallis
Nicht nur in der "Üsserschwiiz" werden die Hüften geschwungen. Auch im Wallis wird seit wenigen Jahren mit Begeisterung orientalisch getanzt. Nach kurzem anfänglichen Zögern ist das jetzt DER Renner! Auch Workshops mit inländischen Lehrerinnen und Aufführungen werden organisiert. Kurse finden sich u.a. in Sion, Martigny und Brig.
(Dank für die Infos an Irina Studer, Barbara Meyer, Lina Hleihel)

Tessin
Im Tessin ist der Orientalische Tanz erst langsam am kommen. Es gibt ca. 5 Lehrerinnen, die auch den Kontakt untereinander pflegen. Bis vor einigen Jahren hatten sie aber noch Mühe, Schülerinnen zu finden. Antoinette Debrit, hat eine eigene Schule in Nähe Lugano. Die Lehrerinnen selber fahren zur Weiterbildung nach Italien oder in die Deutschschweiz oder laden sich 2 – 3mal im Jahr Dozentinnen aus dem Ausland ein. Immerhin berichtet mittlerweile auch das tessiner Fernsehen ab und zu über den Orientalischen Tanz.

Einkaufsmöglichkeiten für Tanzzubehör beschränken sich auf das, was einzelne Frauen von ihren Ägyten-Reisen heimbringen. Auch Auftrittsmöglichkeiten sind dünn gesäht, die tessiner Frauen sind jedoch auch nicht sehr darauf aus, aufzutreten.

(Dank für die Infos an Maria Rosa Mutti, Antoinette Debrit, Osho Dream, Esmeray)

 

Fazit

Wo wir früher noch neidvoll nach Norden schauten und dachten, wie toll es doch in Deutschland tanzmässig abgeht, ist heute auch in der Schweiz recht was los. Die Schweizerinnen haben in den letzten Jahren Geschmack am Orientalischen Tanz gefunden, in einigen Gegenden ist es schon fast alltäglich, wenn jemand einen Kurs belegt. Und laufend werden es mehr...

Ach ja, falls Ihr denkt, ich mach hier Schleichwerbung für die Migros Klubschule: In einigen Gegenden ist sie nun mal wirklich die letzte Rettung vor'm Fernseher! Und überall mindestens eine gute Anlaufstelle für Anfängerinnen.

 

Noch ein Wort zur Indischen Tanzszene: Es gibt sie nicht... Leider ist hier die Mentalität so, dass jede Schule ein wenig für sich werkelt und man lieber über die andern und deren "falschen" Stil schnödet, anstatt sich zusammenzutun, um sich gemeinsam am Tanz zu freuen.

Anlässe wie z.B. Tänzerinnen und Gruppen verschiedener Schulen, die gemeinsam an einer Show auftreten (wie in der Orientalischen Tanzszene üblich) sind leider nicht vorgesehen. Schade!

(P.S.: Lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen!)

 

 

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